Sooooo, jetzt habe ich kurz Zeit mal über unseren letzten Urlaub zu schreiben.
Wer es noch nicht mitbekommen hat, die Seniorenreisegruppe „Schauinsland“ war mal wieder unterwegs. Diesmal ging es aufs Dach der Welt, genaugenommen nach Tibet!
Am Samstag den 28.11. stiegen wir in den „Tibet – Express“, den Zug der von Shanghai nach Lhasa fährt und die popelige Distanz von 4340 km oder so in ca. 51 Stunden zurücklegt. Bevor wir allerdings den zug besteigen konnten wurde unser Permit gecheckt, ob wir überhaupt nach Tibet dürfen. Nachdem dies geschehen war durften wir endlich unser Abteil beziehen.
Ich muss sagen, Zugfahren in China ist tausendmal chilliger als in Deutschland. Zum einen hält der Zug minimal alle 5 Stunden, zum anderen gibt’s hier gemütliche Hardsleeper zu humanen Preisen (die Fahrt hat umgerechnet ca 80 Euronen gekostet). Ausserdem ist Zugfahren hier die kommunikativste Fortbewegungsmöglichkeit und 4 Langnasen sind dann natürlich die Attraktion im Zug. Dies hatte zur Folge, dass wir mal wieder einige Gespräche mit interessierten Chinesen hatten, die wissen wollten wo wir herkommen und wo wir hinfahren. Glücklicherweise ist in dem Zug Tibet kein Tabu-Thema wie sonst hier überall. Also kommunizierten wir mal wieder mit unseren lauen Chinesisch-Kenntnissen, Händen, Füßen, Langenscheidt’s Wörterbuch und 3 Wörtern Englisch! War schon cool muss ich sagen!
Nach ca 30 Stunden Zugfahrt ging es dann auch ins Hochgebirge und in Golmund (2890m) wurde dann die speziell für diese Höhen entwickelte Diesellok an den Zug gehängt, was die 4 Maschinenbauer in Wagen 3 natürlich interessierte ;-). Dann wurde es schwer sich ab und zu mal vom Fenster loszureissen, da wir eine solche Landschaft wie sie ausserhalb des Zuges zu finden war noch nie gesehen haben. Man muss dazu sagen, dass 90% der Zugstrecke da oben auf über 4000m Höhe verlaufen und teilweise durch No-Man-Land gehen (von den 2-3 Yaks die da oben wohnen, mal abgesehen :-P )
Am 30.11. um 21:30 war es dann soweit, der Zug fuhr in den brandneuen Bahnhof von Lhasa ein. Wir packten unsere Rucksäcke und verließen den Zug um noch schnell ein Bild mit ihm zu machen, was uns allerdings von ein paar Wachleuten verwehrt wurde (Ein Dank hierbei an die netten Bahnangestellten: Jetzt haben wir kein Foto vom Zug mit uns davor... Es lebe der Sarkasmus!)
Wir machten uns also ab vom Bahnsteig in Richtung Ausgang, wo uns ein Fahrer abholen sollte. Vor dem Bahnhof stand dann auch ein kleiner Tibeter mit einem Schild mit unseren Namen drauf um uns abzuholen. Wir folgten ihm zu einem Geländewagen und er brachte uns ins Lhasa Hostel, wo wir die ersten Nächte verbringen sollten.
Am nächsten Tag nahmen wir dann auch unser erstes chinesisches Frühstück ein, was aus 2 Teigtaschen und einer undefinierbaren Suppe bestand, aber ich muss sagen, schlecht wars nicht J
Danach wurden wir von unserem Guide abgeholt (seinen Namen lasse ich jetzt mal raus) und wir begannen unseren ersten Tag in Lhasa, den wir mit der Besichtigung des Yokhang-Tempels und des Sera-Monasterys verbrachten. Unser Guide, selber Tibeter erzählte uns sehr viel über die Kultur Tibets und den Buddhismus.
Zusätzlich war am nächsten Tag auch noch ein großes Fest in Lhasa, was zur Folge hatte dass die Stadt gerammelt voll mit Gläubigen war. So bekamen wir echt einen riesen Einblick in die Kultur.
Der 2. Tag in Lhasa war dann eher bescheiden, da wir morgens schon einen Rückflug für Tobi organisieren mussten, weil er sich auf der Zugfahrt eine Erkältung zugezogen hatte, die der Höhenkrankheit Tür und Tor öffnete. Wir gingen also schon früh zu Kong, einem HongKong Chinesen der ein Café in Lhasa hat und unsere komplette Tour organisiert hat, weil er der einzige war den wir kannten, der uns morgens um 8 einen Internetzugang zur Verfügung stellen konnte. (in Lhasa geht nix vor 10 Uhr morgens, die Tibeter sind bis jetzt das übelste Chiller-Völkchen, dass ich kennengelernt habe. Und ich muss sagen, das war ein riesen Grund warum ich die Menschen dort so mag J )
Wir buchten also einen Rückflug und brachten Tobi zum Flughafen, nachdem wir ihn morgens nochmal im Krankenhaus an den Sauerstoff gehangen hatten (wenn man das Krankenhaus denn auch Krankenhaus nennen kann... Ich möchte da ehrlich gesagt noch nicht mal mit ner kleinen Schnittwunde hin, aber zum Glück brauchten wir ja nur ne Runde Sauerstoff, da kann man ja eigentlich nicht viel verkehrt machen)
Nachdem Tobi dann im Flieger saß, sahen wir uns noch den Park hinter dem Potala-Palast an und ließen den Abend chillig in Kong’s Café ausklingen.
Donnerstags holte uns unser Guide und unser Fahrer dann mit unserem gemieteten Geländewagen ab und wir begannen unseren Trip Richtung Mount Qomolangma, auch als Mt. Everest bekannt. Zuerst sahen wir uns allerdings noch den Potala an, da wir das ja am Vortag nicht mehr machen konnten.
Die erste Tagesetappe ging dann über einen 4400m Pass mit ziemlich coolem Seepanorama nach Gyantse, wo wir uns abends noch ein Kloster ansahen. Hier verbrachten wir auch dann die ersten von 4 Nächten ohne Heizung (Wooooohoooo)
Am 4. Tag ging es dann weiter nach Tingri über Shigatse (2. Größte Stadt Tibets) wo wir unseren Permit für den Everest abholten und uns mal wieder ein Monastery ansahen. Auf dieser Etappe sahen wir ihn dann auch das erste mal, den höchsten Berg der Welt. Sah eigentlich nicht so hoch aus, muss ich sagen, könnte aber daran gelegen haben dass wir auf einem 5200m Pass standen...
In Tingri angekommen bezogen wir unser Zimmer im Familienhotel ohne warmes Wasser und ohne Heizung. Hier kamen wir dann auch in as Vergnügen ein Loch im Boden des ersten Stocks, als Toilette zu benutzen. Weitere Infos spare ich mir jetzt, wer mehr wissen will kann mich anrufen :-D
Tingri liegt im Mt. Qomolangma National Preserve und ist ein kleines Dorf, das entlang der Hauptstraße gebaut wurde. Hier unternahmen Sven und ich dann auch noch einen kleinen Spaziergang entlang des halb zugefrorenen Flusses, in dem eine Frau Kleider gewaschen hat... Hier sah man echt den Entwicklungsland-Teil von China. Abends aßen wir in der Gaststube des Hotels (der einzige beheizte Raum im ganzen Haus, wobei man dazu sagen muss, dass der Ofen ziemlich effektiv mit Yak-Mist gefeuert wurde, weil: Ist kostenlos, brennt gut und muss eh irgendwie weg :-D )
Hier machte dann Andi die Höhenkrankheit etwas zu schaffen, was uns von unserem Plan aufs Basecamp zu fahren abbrachte.
Am nächsten Tag fuhren wir also nicht aufs Basecamp, sondern nach Alt-Tingri, von wo man eine bombige Aussicht auf 3 der höchsten Berge des Himalayas hat. (siehe Fotos)
Auf dem Rückweg nach Shigatse, wo wir die nächste Nacht verbringen wollten, fuhren wir dann noch am ersten Everest Basecamp vorbei (Wir waren also doch am Basecamp, zwar nicht am Fuße des Berges, aber am Basecamp J ) und wieder über den 5200er Pass. Hier ging es uns dann auch so gut, dass wir ein bisschen enttäuscht waren, denn so hätten wir auch aufs Basecamp am Fuß fahren können... Es war aber die beste Entscheidung am Vorabend nicht hochzufahren, wer weiß was hätte passieren können...
In Shigatse saßen wir dann abends noch sehr lange mit unserem Guide in einem kleinen Garagenrestaurant und redeten über so ziemlich alles. Dazu gab es sauleckeres tibetisches Essen und Getränke.
Der 6. Tag brachte uns dann wieder nach Lhasa, wo wir uns noch den Sommerpalast des Dalai-Lama ansahen inclusive Zoo, in dem es den Yeti zu sehen gab. Ja, wir wollten es auch nicht glauben, wollten das Viech dann aber unbedingt sehen. Der dortige Zoo, wenn man es überhaupt Zoo nennen kann, denn die Bedingungen unter denen die Tiere da vor sich hin vegetieren ähnelt eher einem Tiergefängnis, hat 2 Yetis. Wir bekamen leider nur den Hybrid-Yeti zu sehen :-D der andere hat sich leider versteckt. Der Hybrid Yeti ähnelt auch eher einem Bär, aber die scheinen alle dran zu glauben. Wir wussten auch erst nicht ob unser Guide uns veräppeln wollte oder das ernst meint...
Nuja, den letzten Abend chillten wir mal wieder bei Kong im Café, tranken einen Drink nach dem anderen, lernten viele interessante neue Leute kennen (aus Tibet, Shanghai, Nepal, Thailand, Hong Kong) und hatten interessante Konversationen bis wir dann um 3 Uhr morgens das Café verließen mit der Ankündigung irgendwann mal wieder vorbeizukommen!
Montag morgen holte uns dann unser Fahrer am Hostel ab und brachte uns zum Bahnhof wo wir unsere 51 stündige Rückfahrt nach Shanghai antraten, auf der wir noch mehr chillten und schliefen als auf der Hinfahrt.
Wir wissen jetzt auch warum es die Höhenkrankheit gibt... Die leere Flasche Wasser die wir auf 4000m zugemacht hatten, hat hier unten nur noch ein Zehntel oder weniger der Größe als da oben... Kein Wunder, dass man da mehr atmen muss :-D
Sooo, das war der Tibet Trip in Kürze, Fotos gibt’s allerdings erst nächste Woche, da ich gleich in den Zug nach Xi’An steigen werde. Und NEIN, ich mache keinen Urlaub mit Studentenausweis, an der Uni gibt’s zur Zeit nur nichts zu tun, und da unser Prof die Klausur die für diese Woche angesetzt ist um eine Woche nach hinten verschoben hat, fahren Tobi und ich mal grad 3 Tage uns Xi’An und die Tontöpfe (hehehe ;-) nicht ernstgemeint) angucken.
Bilder kommen also noch, keine Angst.
Bis denn, ich bin dann mal weg!
Euer Flo

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